Während in den 1930er Jahren Flugzeugbau- und Entwicklung in den Ländern der Westalliierten ungehindert voranschritten, war das nationalsozialistische Deutschland gezwungen Forschung, Entwicklung und Ausbildung im Geheimen voranzutreiben – im Versailler Vertrag war Deutschland der Aufbau einer Luftwaffe untersagt worden.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Deutschland zwangsweise abgerüstet, die Führung des Militärs fand sich mit dieser Situation aber nur nach außen hin ab – in Wahrheit begann bald die Wiederaufrüstung, im Geheimen und auf ehemaligem Feindesland.
Im Vertrag von Rapallo 1922 hatten sich Deutsche und Sowjets wieder aneinander angenähert, Moskau hatte signalisiert dass es einer Ausbildung deutscher Piloten im eigenen Land wohlwollend gegenüberstünde. In Moskau wurde dann auch 1924 die "Zentrale Moskau" gegründet, unter der Leitung von Oberst a.D. Hermann von der Lieth Thomsen. Diese Zentrale zur Koordination und Verwaltung der Pilotenausbildung wurde als eine Abteilung des Truppenamtes der Reichswehr geführt, dieses Truppenamt war nichts anderes als der getarnte Generalstab.
Lipezk, eine Stadt in der weiteren Umgebung von Moskau, wurde zum Standort der Schule Stahr, der ersten Ausbildungsstätte deutscher Militärpiloten nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Diese Schule war auch unter dem Namen "WIVUPAL" bekannt, "Wissenschaftliche Personal- und Ausbildungsstation". Bis zur Auflösung der Schule im Jahr 1933 wurde dort die erste Generation junger Jagdflieger nach dem Ersten Weltkrieg ausgebildet und damit wissentlich der Friedensvertrag von Versailles gebrochen.
Anfang 1933, kurz vor Gründung des zuständigen Reichsluftfahrtministeriums im April, wurde auf Weisung Adolf Hitlers der Deutsche Luftsportverband e.V. aufgelöst und unter dem gleichen Namen, aber nationalsozialistischer Führung neu gegründet.
In den neuen Verband wurden alle anderen Luftsportverbände hineingezwungen – in typisch totalitärer Manier gleichgeschaltet. Neben echter Sportfliegerei und Zivilluftfahrt verbarg sich dann später hinter dem harmlosen Namen DLV (Deutscher Luftsportverband) die im Aufbau befindliche Reichsluftwaffe. Der Repräsentant dieser Organisation war WW1 Jagdflieger und Luftfahrtminister Hermann Göring, soweit diesem seine Rolle als Reichsjägermeister Zeit ließ. Der zweite Mann an der Spitze war in den Anfängen der, später in Ungnade gefallene, Ernst Röhm. Die Struktur der neuen Luftwaffe hatte einen anderen Urheber: das Organisationsgenie Erhard Milch, Lufthansa-Chef und späterer Staatsekretär im Reichsluftfahrtministerium, war der eigentliche Architekt der damals noch getarnten deutschen Luftstreitkräfte.
Die Zusammenarbeit zwischen Militär und Lufthansa funktioniert tadellos – unter dem Deckmantel der Schulung in der zivilen Luftfahrtgesellschaft wurden die Flugzeugführer für spätere Bombenflüge geschult, unter anderem auf der Nachtflugstrecke Berlin-Königsberg. Sie gilt heute als Trainingsstrecke der Bomberbesatzungen für Navigation und Blindflug – zur Zeit der Eröffnung der Route, 1926, war das Navigieren nach Sicht noch der allgemeine Standard.
Der Zivilflug war in den Jahren zwischen den Kriegen Hauptabnehmer vorn schnellen Flugzeugen und sorgte damit für die Konstruktion militärisch nutzbarer Maschinen.
Entwicklung und Bau von Jagdflugzeugen war den Deutschen 1918 untersagt worden. Dennoch forschte und baute man weiter, allerdings keine reinen Jäger oder Bomber. Für den zivilen Markt, Postfliegerei oder Passagierdienst, wurden die so genannten Schnellverkehrsflugzeuge entworfen– ein- oder zweimotorige schnelle Maschinen für zwei, maximal vier Mann Besatzung. Die Strategen wurden auf diese Modelle aufmerksam, die vom Konzept leicht in ein Kampfflugzeug umkonstruiert werden konnten. Ein typischer Vertreter dieser Gattung war die Heinkel He 70 "Blitz", die 1934 mit einer Höchstgeschwindigkeit von fast 360 km/h schneller war als alle Jagdflugzeuge ihrer Zeit. Technisch war die He 70 absolut auf der Höhe der Entwicklung: der freitragende Tiefdecker war mit einem der ersten Einzieh-Fahrwerke ausgerüstet, der aerodynamisch saubere Rumpf in Schalenbauweise ausgeführt und die Flügel setzten Maßstäbe im Flugzeugbau.
Die He 70 wurden in Großbritannien, bei Rolls Royce, eingehend studiert. Ob die daraus gewonnenen Erkenntnisse tatsächlich, wie oft behauptet, den Bau der Supermarine Spitfire beeinflussten sei dahingestellt – sicher ist dass die Konstrukteure der He 70 (Siegfried und Walter Günther), hier erstmalig einen Flügel mit elliptischem Umriss verwendeten, der für die Spitfire so charakteristisch wurde.
|
||||||||||||||||||||||||||
© FLIGHT-DEPOT.com OHG |










