Fliegen – die Schwerkraft überwinden und den Himmel erobern. Diesen Traum scheint die Menschheit schon seit alters her zu träumen und ihre Legenden und Überlieferungen hat er beflügelt. Sagengestalten und Götter, Zauberer und Märchenfiguren – viel Phantastisches und wenig historisch Belegtes wird vom Fliegen aus alter Zeit erzählt. Die Chinesen, soviel scheint gesichert zu sein, waren die Ersten, die die Fliegerei praktisch angingen. Vor mehr als zweitausend Jahren konstruierten sie einen Flugdrachen, der in der Lage war, einen Passagier in die Höhe zu tragen – und die bemannte Luftfahrt war geboren.
Das Fliegen mit Geräten leichter als Luft wurde vergleichsweise früh entwickelt. Bereits anfangs des 18. Jahrhunderts. gab es in Portugal die Vorführung eines Modell-Heißluftballons am Hofe König Johanns des Fünften.(1709). 1783 dann führten die Brüder Montgolfier dem staunenden französischen Adel ihren gleichnamigen Ballon vor. Selbst bis in unsere Tage hat das majestätische Schweben der Heißluftballons eine eingeschworene Anhängerschaft, die Ballonfahrer.
Bis in die dreiziger Jahre des 20. Jahrhunderts, als der Motorflug bereits eine rasante Weiterentwicklung durchlaufen hatte, galten mit Gas gefüllte Starrluftschiffe, die Zeppeline, noch als technische Meisterleistung. Ganz ist dieser Gedanke bis heute nicht verschwunden. Eine kommerzielle Nutzung als Trasportmittel scheint angesichts gescheiterter Projekte wie dem "Cargolifter" allerdings zweifelhaft. Luftschiffe mit weicher Außenhülle, die Blimps, hingegen werden mit Erfolg als Werbemittel eingesetzt, spielen in der gewerblichen Luftfahrt aber eine untergeordnete Rolle.
Der Flug mit Geräten schwerer als Luft ist technisch weit anspruchsvoller. Bis zu moderner Technologie, die das Flugzeug zum Massenverkehrsmittel machte, war es ein langer Weg. Und dieser Weg war mit Irrtümern und Katastrophen gepflastert.
Der geniale Leonardo da Vinci, glaubte noch an ein muskelbetriebenes Fluggerät mit Vogelschwingen. Ungezählte versuchte Höhenflüge späterer Konstrukteure endeten mit Bruchlandungen. Wie der des glücklosen Schneidermeisters Albrecht Berblinger. Und das Problem des Antriebs versuchte man zunächst noch mit dem Motor der Industrialisierung, der Dampfmaschine, zu lösen. Erst vor wenigen Jahren ist es mittels modernster Leichtbauweise gelungen, ein Fluggerät durch Muskelkraft erfolgreich anzutreiben.
1809 gelang Sir George Cayley dann ein erster Flug mit einem Gleiter. Er gilt als Wegbereiter für Otto Lilienthal, der bei fast 2000 Flügen mit den selbst entwickelten Hanggleitern bedeutende aerodynamische Gesetze erkannte. Lilienthals: "Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst" und das Buch des Amerikaners Octave Chanute: „Fortschritt im Flugmaschinenbau“ machten die in umfangreichen Selbstversuchen gesammelten Erfahrungen jedermann zugänglich.
Jetzt wird es aber ein wenig unklar, denn: Allgemein wird hingenommen, dass die Gebrüder Wright 1903 den ersten Motorflug der Geschichte getan haben. Wir wollen hier auch nicht den Ruhm von Orville und Willbur Wright schmälern, immerhin waren sie die ersten, die vor Zeugen einen in allen Phasen kontrollierten, aus eigener Kraft gestarteten und sicher gelandeten Motorflug absolvierten, ganze 260 Meter weit!
Forscht man genauer nach, wird klar, dass zeitgleich in Deutschland und Frankreich die Entwicklung praktisch am gleichen Punkt angelangt war. Der Deutsche Gustav Weisskopf, oder Whitehead wie er sich nach seiner Auswanderung in die USA nannte, soll bereits 1901 einen Flug von mehr als einer Meile geschafft haben.
Doch Ehre, wem Ehre gebührt: Wer auch immer der erste Flugzeugführer gewesen sein mag, die Eroberung des Himmels hatte begonnen. Geniale Erfinder und tollkühne Piloten setzten alles aufs Spiel. Ihre Gesundheit, ihren Besitz und ihren gesellschaftlichen Status. Für ihren Traum – das Abenteuer Luftfahrt!
RL, Mai 2005
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