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Herzlichen Glückwunsch, Elly Beinhorn!

Alleinflug – Elly Beinhorn-Rosemeyer, Luftfahrtpionierin, Rekordfliegerin und Schriftstellerin wird hundert

Am 30. Mai dieses Jahres feiert Elly Beinhorn-Rosemeyer ihren hundertsten Geburtstag – ihr Name steht für herausragende Pionierleistungen im Flugsport und bedingungslose Hingabe an die Fliegerei. Der Titel ihrer Autobiographie, Alleinflug, fasst in einem Wort ihr Leben zusammen, zahlreiche Erstflüge, Rekorde und Auszeichnungen hat sie vorzuweisen – ihr Privatleben dagegen wurde von Tragödien überschattet.

Fernweh

Fliegerisch talentiert und couragiert 

Elly Beinhorn sagte über sich selbst, dass die Enge des bürgerlichen Elternhauses und das Aufwachsen in der Stadt Hannover in ihr eine unstillbare Sehnsucht nach der Ferne hatte wachsen lassen. Reisen und Abenteuer übten eine unüberwindliche Anziehung aus: Mit 16, im Backfisch-Alter, bewarb sie sich – erfolglos – als Tierfängerin beim Tierpark Hagenbeck. Im Alter von 21 Jahren dann stellten sich die Weichen in ihrem Leben endgültig. Während eines Vortrags, den der Atlantikflieger Herrman Köhl gehalten hatte, wurde ihr bewusst, dass der Himmel ihr die Freiheit und die Weite geben konnte, die sie suchte. Doch zunächst galt es, Widerstände zu überwinden – ihre Eltern waren vom Gedanken der Flugausbildung nicht begeistert und die Lehrer am Flugplatz ihrer Heimatstadt weigerten sich schlichtweg, eine Frau zu unterrichten.

Ausbildung in Berlin

Vielleicht war es das Aufwachsen als Einzelkind, was ihr Durchsetzungsvermögen trainiert hatte, aber wie auch immer es gewesen sein mag, Elly setzte sich durch und fand am Flughafen Berlin-Staaken einen Lehrer. Und nicht nur irgendeinen Lehrer, sondern Otto Thomsen, den Leiter der Technischen Abteilung der Deutschen Luftfahrt GmbH in den Jahren 1927-1933. Bei Thomsen lernten – neben Elly Beinhorn – etliche prominente Mitglieder der fliegenden Zunft ihr Handwerk: Hanna Reitsch, Matthias Wiemann und Wernher von Braun, um nur drei zu nennen.

Aber, lediglich ein Flugzeug fliegen zu dürfen reichte Elly Beinhorn nicht. Nachdem sie 1929 ihre erste Fluglizenz, den A-Schein, erhalten hatte, setzte sie ihre Ausbildung fort. Bei keinem Geringeren als dem hoch dekorierten Weltkrieg-Jagdflieger Robert Ritter von Greim erwarb sie die Kunstfluglizenz, später die Blindflugberechtigung und die Lizenz für Passagierflug.

 

Liesel Bach, Thea Rasche and Elli Beinhorn, 1932 bei einer Flugveranstaltung auf dem Flugplatz Berlin-Staaken

Der schwarze Kontinent

Noch hatte Elly Beinhorn ihrem Fernweh nicht endgültig nachgeben können, zunächst hielt sie sich mit Kunstflug-Vorführungen über Wasser. Im Januar 1931 dann durfte sie in die unbekannte Weite starten. Als Teilnehmerin einer Afrika-Expedition war sie angeworben worden, um Luftaufnahmen zu machen. Sie bewältigte die 7000 Flugkilometer im Alleinflug. Auf dem Rückflug von Guinea-Bissao zwang sie ein technischer Defekt zur Notlandung mit ihrer untermotorisierten "Sperrholzkiste". Die spektakuläre Rettung durch einen afrikanischen Stamm bescherte ihr nach eigener Aussage mehr Popularität als ihre großartigen fliegerischen Leistungen.

 

Zu Ernst Heinkel hatte Elly Beinhorn ein sehr gutes Verhältnis. Hier posiert sie vor einer Heinkel Sportmaschine.

Sponsoren

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wurde sie als Volksheldin gefeiert, finanziell stand das Unternehmen Beinhorn aber auf wackligen Füßen. Vortragsreisen, das Schreiben von Büchern und immer wieder der Kunstflug waren ihre Einnahmequellen. Durch ihr afrikanisches Abenteuer waren aber so viele Geldgeber auf sie aufmerksam geworden, dass sie bereits im Dezember 1931 mit Sponsoren-Geldern eine Weltumrundung begann. Sie flog in der beliebten Klemm 26, die streckenweise mit einem Schiff transportiert werden musste. Die Route ging über Asien nach Australien, dann zu Schiff nach Panama, über die Kordilleren und bis nach Argentinien. In Buenos Aires schiffte sie sich erneut ein und erreichte drei Wochen später in Bremerhaven wieder Europa – als Heldin gefeiert, aber mit tiefroten Zahlen auf ihrem Konto.

Reichspräsident Hindenburg sorgte für Abhilfe – er verlieh Elly Beinhorn den nach ihm benannten Pokal, die damals höchste zivile Auszeichnung für fliegerische Leistung. Dieser Preis war mit 10000 Reichsmark dotiert. Den Rest der Schulden übernahm der Verband der Deutschen Flugzeugindustrie.

Und Elly Beinhorn? Plötzlich schuldenfrei, plante sie sofort das nächste Abenteuer, den Transafrika-Flug...

 

Die legendäre Me 108 "Taifun" verdankt Ihren beinamen der Fliegerin Elly Beinhorn, die das richtungsweisende Flugzeug sehr schätzte.

Reisen und Rekorde

Elly Beinhorn überflog als erste Frau im Alleinflug die Alpen, die erste Afrikareise und die Weltumrundung wurden bereits erwähnt. 1933 folgte der Transafrika-Flug, 1934 der Flug über Süd- und Nordamerika.

1936 hatte die deutsche Flugzeugindustrie mit der Messerschmitt BF 108 ein schnelles Reiseflugzeug zur Verfügung gestellt. Mit diesem Modell schaffte Elli Beinhorn 1935 zwei Kontinente in 24 Stunden und 1936 auf der 3750 km langen Strecke über Ägypten und die Türkei drei Kontinente in 24 Stunden. Eine erhaltene Maschine des Typs Messerschmitt Bf 108 wurde von der Lufthansa-Stiftung in Berlin erworben, restauriert und von Elly Beinhorn persönlich 1993 auf den von ihr gewählten Namen Taifun getauft.

 

Seit 1957 wieder fliegerisch aktiv: Erst lange nach dem zweiten Weltkrieg flog Elly Beinhorn wieder selbst.

Elly Beinhorn privat

Auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahnen kreuzten sich die Wege von Elly Beinhorn und Bernd Rosemeyer. Die Fliegerin war populär wie nie zuvor, der Name des Grand Prix Rennfahrers war in aller Munde. Die Beiden wurden ein Paar und heirateten, auch wenn die Braut zunächst lieber ungebunden ihre eigenen Wege gehen wollte. Ihr Glück war nur von kurzer Dauer: Am 28. Januar 1938, knapp zwei Monate nach der Geburt ihres Sohnes Bernd Rosemeyer junior, verunglückte der Vater bei dem Versuch, einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge zu erzielen. Auf der dafür gesperrten Autobahnstrecke bei Darmstadt wueder das Fahrzeug von einer Windboe erfasst und kam von der Strecke ab. Bernd Rosemeyer – schon zu Lebzeiten eine Rennfahrerlegende – war tot. Elly Beinhorn verarbeitete ihre tiefe Trauer auf der nächsten Langstrecke nach Indien und Thailand (damals Siam).

Im Zweiten Weltkrieg sorgte die Fliegerin für Ihre Familie, 1942 hatte sie ein zweites Mal geheiratet. In der Nachkriegszeit musste sie bis in die Fünfziger Jahre zwangsweise pausieren – den Deutschen war das Fliegen verboten.

Danach kehrte sie in die Öffentlichkeit zurück, nahm an Sternflügen und Kunstflugwettbewerben teil, testete Autos, fotografierte und schrieb neben Reportagen fast ein Dutzend Bücher, zumeist über die Fliegerei.

Elly Beinhorn gab im Alter von 72 Jahren ihre Pilotenlizenz freiwillig zurück und lebt heute in einem Seniorenheim bei München und ist noch heute mit 100 Jahren geistig rege. Wir gratulieren und wünschen Ihr noch viele, gesunde Jahre!

RL, 30.05.2007

© FLIGHT-DEPOT.com OHG